| Außenintervention "Wo ein Haufen, da ist meist auch eine Grube." (Arxenekrohen) Ein Haufen aus 200 000 funkelnden Glaskristallen wird für 48 Stunden in der Wiener Innenstadt ausgelegt. Vier rot-weiß gestreifte Holzbarken, wie man sie von Baustellen kennt, sind dem Haufen zum Schutz bereitgestellt. Nach zwei interessanten Tagen im öffentlichen Raum zeigt sich, was vom Haufen übrigblieb (…). Interessant, weil ja dabei die Hemmschwelle der Aneignung von öffentlichem Gut bewusst niedrig gesetzt wird – niemand kann sich funkelnden Steinen widersetzen. Absperrungen und Hinweisschilder, so rot-weiß gestreift sie auch sein mögen, haben ihre Autorität längst verloren. Die Arbeit spekuliert mit der Geschwindigkeit der Informationsweitergabe in der Öffentlichkeit. Wie schnell wird aus einem stattlichen Haufen Kristalle ein trost- und nutzloses Baustellengerüst, beziehungsweise, wie weit gehen Menschen um sich ihren Stück des Kuchens zu sichern? Beginnt die gefürchtete Privatisierung des öffentlichen Raums nicht bereits mit so kleinen „Kavaliersdelikten“? Und ist nicht das Verhalten des Einzelnen ausschlaggebend dafür, was den voranschreitenden Privatisierungen des öffentlichen Raums entgegengesetzt werden kann, beziehungsweise - wie meist – leider ausbleibt? Es ist. Allerdings – das hat was. Denn, nachdem eben von 200 000 Steinen nach zwei Tagen nur etwa ein Zehntel übrigbleibt, ist man begeistert von Menschen, die mit den Worten „Sonst zahlen wir immer Steuern – heute holen wir uns was zurück“ oder auch „Und da sag ich zu meinem Mann:“ Heute läuft eh nichts Gutes im Fernsehen, fahren wir lieber in die Stadt und holen uns ein paar Steine!““ eimerweise Glaskristalle abtransportieren, ohne einen Plan zu haben, was sie damit eigentlich machen wollen. Und beginnt bisherige Grundsätze der eigenen künstlerischen Arbeit zu hinterfragen. Denn eigentlich war ich ja nie ein Anhänger der partizipativen Kunst. Jetzt schon. Alexander Karl Felch, geboren 1978 in Wien, lebt und arbeitet in Wien und St. Petersburg.
Errichtet 2010 – Ein Haufen Kristalle, 2010 –
Ausstellungsansichten (Fotos von David Payr):
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